Am 12.05.2016 wurde das Biogas-Blockheizkraftwerk der RheinEnergie im Sürther Feld offiziell eröffnet. Für den gesamten Bauabschnitt II und III stellt es „nachhaltig erzeugte Wärme“ zur Verfügung. Die Wärme dann (vereinfacht gesagt) in Form von Wasser(dampf) durch speziell isolierte Rohrleitungen unterirdisch zu den einzelnen Häusern gebracht und dort von entsprechenden Wärmetauschern umgewandelt für das Heißwasser bzw. die Heizung.

Laut Pressemeldung werden im Bauabschnitt II rund 220 Haushalte versorgt. Mit dem Bauabschnitt III sollen es ca. 800 werden (Quelle: www.report-k.de).

Blockheizkraftwerk und Nahwärme

Die Heizzentrale liegt direkt an der Ecke Zitronenfalterstraße / Sürther Feldallee. Von dem einst tiefen Loch mit mehreren Ebenen schaut heute nur noch ein kleines Eingangshäuschen mit zwei „Schornsteinen“ heraus. Die Kessel und die gesamte Technik befinden sich unterirdrisch in sechs Metern Tiefe.

Bildquelle: RheinEnergie AG

Teure Grundgebühr? Das Preismodell für die Nahwärme auf dem Sürther Feld

Auf der speziell eingerichteten Website der RheinEnergie AG (hier) erfährt man als Interessent leider nicht, was die (verpflichtende) Nahwärme kostet und wie sie berechnet wird. Bei Anruf (oder bei Unterzeichnung entsprechender Kaufunterlagen eines Hauses) erfährt man dann aber doch etwas zu den Preisen:

Für jeden Quadratmeter beheizbare Fläche ist ein jährlicher (bzw. monatlicher) Grundpreis zu entrichten. Der ist verbrauchsunabhängig und schwankt jedes Jahr, unter anderem in Bezug auf Lohnkosten, Biogaskosten sowie einem leicht steigendem Anteil mit jedem Jahr. Dieser fixe Preis ist der sogenannte Grundpreis. Dann gibt es noch den Arbeitspreis, der sich aus dem Arbeitskreis Kessel und Arbeitskreis BHKW jeweils zu 50% zusammensetzt. Den Verrechnungspreis (für Messung der Wärmekosten, für Installation und turnusmäßigen Austausch der Wärmemengenzähler (WMZ) könnte man als Wartungspauschale bezeichnen.

Je Quadratmeter beheizbarer Fläche ergaben sich für das Lieferjahr 2015 ein Wärmegrundpreis von 4,79 EUR / qm. Der Arbeitspreis (butto) lag bei 6,90 ct/kWh.  Der Verrechnungspreis lag im Lieferjahr bei 103,46 EUR / WMZ.

Bei einem KfW-70 Haus mit 150qm und einem angenommenen Energiebedarf von 45 kWh/qm pro Jahr, ist man also bei 6.750 kWh/Jahr an Heiz- und Warmwasserversorgung. Auf den Monat heruntergerechnet sind das also durchschnittliche Verbrauchskosten von ca. 39 EUR – dazu kommt der fixe Grundpreis von ca. 60 EUR. Man ist also rund bei 100 EUR monatlich für die Nahwärme. Schaut man sich vergleichbare Fernwärme-Tarife anderorts an, fällt der hohe und fixe Grundpreis schon arg ins Gewicht. Schade – denn hier helfen dann zumindest in Sachen Heizkosten-Sparen kein KfW-50 oder KfW-70 Haus so wirklich. Häuslebesitzer mit einem vollbeheizbarem Keller (wie z.B. bei Interhomes) haben dann noch ein paar Euro mehr zu bezahlen monatlich (auch wenn der Keller nie voll beheizt würde).

Zumindest lohnt sich das für die RheinEnergie – einmal aus Imagesicht: Denn die nachhaltige, „umweltfreundliche und preisgünstige Nahwärme“ (Quelle) ist sicherlich auch eine gute PR-Maßnahme. Und dann natürlich auch aus finanzieller Sicht: Die Anschaffungskosten von einer Millionen Euro haben sich (bei einer durchschnittlichen monatlichen Gebühr von 100 EUR / Haushalt) durch den Zwangsanschluss von 10 Jahren wohl auch mehr als dicke finanziell rentiert. Und das ganz sicher bei 800 Wohneinheiten.